Kiebitz

Kiebitz. Foto: NABU/Thorsten Krüger

Der Kiebitz in Aachen
Im Jahr 2017 führte der Arbeitskreis Ornithologie des NABU Aachen eine Feldvogelkartierung im Aachener Stadtgebiet durch, wobei unter anderem die Bestände des Kiebitz‘ (Vanellus vanellus) erfasst wurden. Es konnten zwölf Reviere und zehn Gelege festgestellt werden. Fünf Gelege wurden in Zusammenarbeit mit der NABU-Naturschutzstation Aachen direkt vor der Zerstörung durch landwirtschaftliches Gerät gerettet. Dies geschah durch eine Markierung der Gelege mit langen Holzstäben und in guter Zusammenarbeit mit den hiesigen Landwirten. Ziel der Markierung ist es, dass ein schmaler Streifen mit dem Gelege bei der Bearbeitung ausgespart und somit geschützt wird.

Merkmale
Der Kiebitz ist etwa taubengroß (28 bis 32 cm). Durch den Kontrast zwischen schwarzer Oberseite mit grünlich schimmerndem Metallglanz, weißer Unterseite mit schwarzem Brustband, sowie  der abstehenden Federholle am Hinterkopf ist die Spezies in unserer Agrarlandschaft unverkennbar. Die Kopfseite ist weißlich mit schwarzem Streif unter dem großen dunklen Auge.

Lebensraum
Der Kiebitz bevorzugt offenes, flaches und feuchtes Dauergrünland, Wiesen, Weiden und Überschwemmungsflächen. Sein Lebensraum – das Feuchtgrünland – ist in Deutschland jedoch selten geworden. Wo Grünland umgebrochen wurde, kann man den brutplatztreuen Kiebitz auch auf Äckern antreffen. Meist brütet er dort aber ohne oder nur mit geringerem Erfolg, so dass auch solche Brutplätze nach einigen Jahren verwaisen.

Lebensweise
Nach der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten in die Brutgebiete fallen besonders die auffälligen Balz- und Revierflüge auf. Auch die typischen „Kiewitt“-Rufe, von denen der Kiebitz seinen Namen trägt, sind dann zu hören.

Nahrung
Insekten und deren Larven bilden die Hauptnahrung des auffälligen Vogels und spielen eine große Rolle für die Aufzucht der Jungtiere. Regenwürmer, Samen und Früchte von Wiesenpflanzen, sowie Getreidekörner sind weitere Bestandteile in seinem vielseitigen Nahrungsspektrum.

Bestand und Bestandsentwicklung
Der europäische Brutbestand (ohne Russland) wird auf 1,1 bis 1,7 Millionen Brutpaare geschätzt. In Deutschland brüten gegenwärtig noch 70.000 bis 100.000 Paare. In optimalen Gebieten kommen Kiebitze kolonieartig vor bzw. mit bis zu 5 Paaren pro Quadratkilometer. Meist beträgt die Siedlungsdichte jedoch kaum mehr als ein Paar pro Quadratkilometer.

Gefährdung und Schutz
Der Kiebitz wurde in der Vergangenheit aus seinem ursprünglichen Lebensraum vertrieben. Hauptfaktoren hierfür sind Entwässerung, Grundwasserabsenkung, frühe Wiesenmahd, industrieller Torfabbau, Aufforstung von Mooren und der Wandel in der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen. Zu weiteren Gefährdungsursachen zählen Störungen der Brutgebiete durch intensive Freizeitnutzung, sowie in manchen Ländern auch immer noch die direkte Verfolgung durch Jagd und Eiersammler.

Kiebitznester auf Äckern sind mitunter schwer zu entdecken.
Foto: NABU/Dr. Manfred Aletsee.

Die intensive Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen ist aus verschiedenen Gründen für den Kiebitz problematisch. Zum einen kollidiert das Brutgeschäft auf den Ackerflächen häufig mit den Bearbeitungsschritten des Ackerbaus. Die ersten Gelege werden häufig schon vor der Bodenvorbereitung bis Mitte/Ende März angelegt. Mitte April sorgt dann die Maissaat für große Gelegeverluste. Zum anderen fehlt durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Kombination mit fehlenden Brachflächen und Saumstrukturen die zur Jungenaufzucht benötigte nährstoffreiche Insektennahrung.

Der Kiebitz ist nach der Vogelschutzrichtlinie der EU geschützt.

Rote Liste NRW (2010): Gefährdet