Die Haselmaus in Aachen

Die Haselmaus in Aachen

Die dichten Gebüsche und Gehölze entlang der Höckerlinie des sogenannten „Westwalls“ bieten Habitate und Rückzugsorte für zahlreiche Kleintiere. Im Rahmen des LVR-Projekts „Biotopverbund im Westen – Der Westwall“ wurde von der NABU-Naturschutzstation Aachen eine Erfassung der Haselmaus durchgeführt.

Eine Haselmaus schaut aus ihrem Nest aus frischen Blättern. (Foto: A. Terstegge, Aachen)

Haselmäuse sind kleine, fuchsfarbene Bilche (auch Schlafmäuse genannt), die in lichten Laubwäldern sowie entlang von Heckenstrukturen vorkommen. Wichtig ist ein ausreichendes Nahrungsangebot, das sich vor allem aus Blüten, Früchten und Samen von Sträuchern wie Brombeere, Weißdorn und Haselnuss zusammensetzt. Auch Insekten stehen auf dem Speiseplan der Haselmäuse.

Für ihren Tagestorpor („Schlafzustand“ bei Kälteeinbrüchen) und die Jungenaufzucht bauen sie Nester aus Grashalmen und Blättern, meist in dichte Gebüschstrukturen. Künstliche Nisthilfen werden von der Haselmaus ebenfalls angenommen. Im Rahmen der Haselmaus-Erfassung wurden spezielle Nistkästen und sogenannte Haselmaus-Tubes (gefaltete Kunststoff-Röhre mit Einlegeboden und Rückwand aus Holz) entlang der Westwall-Strukturen im Aachener Stadtgebiet ausgebracht und während der Saison mehrfach kontrolliert.

Ein „Haselmaus-Tube“, das an einem Weißdorn-Ast Rückzugsmöglichkeit für die kleinen Bilche bietet. (Foto: C. Baumann, Aachen)

In verschiedenen Bereichen des „Westwalls“, vom Vaalserquartier über den Aachener Wald bis Schmithof, konnten im Laufe des Sommers Haselmäuse in den Nisthilfen nachgewiesen werden. Zahlreiche erfasste Nester deuten darauf hin, dass auch in weiteren Bereichen noch Haselmäuse vorkommen.
Haselmäuse unterliegen als sogenannte FFH-Art einem europäischen Schutz und sind durch den Verlust ihres Lebensraums, z.B. durch Entfernen oder nicht fachgerechten Rückschnitt von Hecken, gefährdet. Die Ergebnisse heben die besondere Bedeutung der Westwall-Strukturen im Stadtgebiet Aachen hervor und zeigen auf, welchen hohen Wert diese haben und warum diese schützenswert sind.

Haselmaus. Bild: saguari via Pixabay

Steckbrief Haselmaus

Merkmale

Die Haselmaus ist die kleinste heimische Schlafmausart. Ausgewachsene Tiere werden nur etwa daumengroß. Ihr Fell ist orangebraun gefärbt mit einem weißen Fleck an Kehle und Brust. Beim Klettern hilft der dicht behaarte und sechs Zentimeter lange Schwanz.

Lebensraum

Für ihren Lebensraum benötigt die Haselmaus dichte Hecken oder Laub- und Mischwälder mit artenreichem Unterwuchs. Wieder begrünte Kahlflächen sowie Waldsäume und junge Aufforstungsflächen mit vielen Früchte tragenden Sträuchern (Himbeere, Brombeere, Faulbaum, Weißdorn) bieten geeignete Lebensräume mit Verstecken und Nahrung.

Lebensweise

Haselmäuse sind sehr scheu und dämmerungsaktiv, weshalb man sie nur selten zu Gesicht bekommt. Als geschickte Kletterer meiden sie den Bodenkontakt. Sie bauen kleine Kugelnester aus Zweigen, Gras und Blättern oder ziehen in Baumhöhlen oder Vogelnistkästen ein. Dort verbringen sie dann auch ihren Winterschlaf, der etwa von Oktober bis März andauert.

Nahrung

Die Haselmaus passt ihren Speisezettel der Jahreszeit an: Im Frühjahr ernährt sie sich vor allem von Knospen, Blüten und Samen. Im Sommer frisst sie Früchte und Beeren, aber auch Insekten, Schnecken, Würmer oder Vogeleier. Im Herbst wird mit fettreicher Kost wie Haselnüssen, Eicheln, Bucheckern und Kastanien der nötige Winterspeck für den Winterschlaf angefressen.

Gefährdung und Schutz

Mit dem fortschreitenden Verschwinden von Hecken, Waldsäumen und Unterwuchs aus unserer Landschaft verliert die Haselmaus ihre Nahrungsgrundlage und ihren Lebensraum. Die Art ist nach der europäischen FFH-Richtlinie (Anhang IV) und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt.

Quellen: NABU Thüringen, NABU Sachsen