Biotopverbund im Westen – der Westwall

Biotopverbund im Westen – der Westwall

Zwar war der gesamte Wald Teil des Westwalls, dennoch wurden auch einzelne Panzersperren in Form einer Höckerlinie errichtet (Foto: Dr. M. Aletsee).

Der Westwall, der vor dem zweiten Weltkrieg errichtet wurde, ist auch im Aachener Stadtgebiet noch teilweise erhalten. Die ungenutzten Bauwerke haben sich im Laufe der Zeit zu einem wertvollen Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt.

Ziel:

Ziel des Projektes ist es, die vorhandenen Westwallstrukturen insbesondere die sogenannte Höckerlinie als Biotopnetzwerk und Rückzugsraum für die heimische Fauna und Flora aufzuwerten und so die biologische Vielfalt zu stärken. Das Projekt wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert.

 

Maßnahmen:

Die Biotopverbund-Strukturen am Westwall sind in ganz Aachen zu finden (GeoBasis-DE / BKG 2018, EuroGeographics, Bezirksregierung Köln Abteilung Geobasis NRW).

In dem Projekt „Biotopverbund im Westen – der Westwall“ sollen in einem ersten Schritt die noch vorhandenen Strukturen des Westwalls im Untersuchungsgebiet detailliert erfasst und darauf basierend eine digitale Karte erstellt werden. Solche Strukturen finden sich z. B.

Nach der Erfassung sollen die dort vorkommende Fauna und Flora sowie die Biotope ermittelt werden. Aus der Beschaffenheit der verbliebenen Strukturen des Westwalls kann unter Berücksichtigung der faunistischen und floristischen Daten die Eignung als Biotopverbund abgeleitet werden. Gleichzeitig werden Möglichkeiten zur Aufwertung des Westwalls als Lebensraum und Biotopnetzwerk erarbeitet.

Begleitend zu den strukturellen sowie faunistischen und floristischen Bestandsaufnahmen sollen die erhobenen Daten in einer digitalen Karte mit Datenbank aufbereitet werden. Über KuLaDig sollen die Daten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zusätzlich sollen weitere Informationsmöglichkeiten, wie etwa Internetauftritt, Flyer und Exkursionen angeboten werden. Angesprochen werden insbesondere Menschen, die sich für Natur und Geschichte interessieren.

Zur Stärkung der Lebensräume am Westwall werden Nisthilfen angebracht (Foto: M. Hoffmeister).

Basierend auf den Daten sollen Artenschutzmaßnahmen (Quartier- und Nisthilfen) möglichst in Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt werden. Zur Aufwertung des Biotopnetzwerkes soll eine intensive Einwerbung von Flächen auf Grundlage des erarbeiteten Konzeptes und der Bürgerpartizipation durchgeführt werden.

Auf diesen Flächen sollen in einer zweiten Projektphase Maßnahmen u. a. mit Hilfe der LVR-Pflanzgutförderung umgesetzt werden. Als Grundlage für die Maßnahmenrealisierung werden in der zweiten Projektphase weitere faunistische Daten erhoben (Fledermäuse, Haselmäuse, Amphibien, Insekten und Schnecken). Die Öffentlichkeitsarbeit soll fortgeführt und weiter ausgebaut werden (z. B. durch Infotafeln).

Hintergrund:

Während des Dritten Reiches (Ende der 1930er Jahre) wurde der sogenannte Westwall zu militärischen und propagandistischen Zwecken errichtet. Dieses rund 630 km lange Verteidigungssystem verlief im Westen vom Niederrhein bis zur schweizerischen Grenze und bestand aus verschiedenen Bauwerken, wie Bunkern, Stollen, Gräben und Panzersperren (sogenannte Höckerlinie) sowie natürlichen Barrieren wie Wälder, Flüsse etc. Ein Teil der baulichen Einrichtungen wurde während und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört oder zugeschüttet. Während die umliegende Landschaft im Laufe der Zeit zunehmend intensiv genutzt wurde, unterlagen die verbliebenen Bauwerke keiner oder einer eingeschränkten forst- oder landwirtschaftlichen Nutzung. Auf diese Weise entstand am Westwall ein störungsarmer Rückzugsraum, der einer Vielzahl von z. T. bedrohten Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dient.

Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Das Projekt „Biotopverbund im Westen – Der Westwall“ der Biologischen Stationen Haus Wildenrath und NABU-Naturschutzstation Aachen wurde am 06. September 2018 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

 

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