Feldhamster

Feldhamster. NABU/Peter Schütz.

Der Feldhamster in Aachen
Der Feldhamster (Cricetus cricetus) war jahrhundertelang in der Bördelandschaft des Aachener Nordwestens weit verbreitet. Die Intensivierung der Landwirtschaft (Mechanisierung und Vergrößerung der Bewirtschaftungsfläche) bedingte jedoch schon Ende des 20ten Jahrhunderts einen starken Rückgang. Das Vorkommen erlosch endgültig in den 1990er Jahren parallel zu weiteren Lebensraumverlusten, aufgrund der Erschließung eines Gewerbegebiets. 20 Jahre später, im Mai 2018 unternahm die NABU-Naturschutzstation Aachen erstmals in NRW einen Versuch, Feldhamster wieder anzusiedeln, und wilderte 30 Tiere aus. Mehr zu dem Projekt erfahren Sie hier.

Merkmale
Feldhamster sind etwa so groß wie Meerschweinchen. Dank seines schwarzen Bauch- und rostbraunen Rückenfells mit einzelnen weißen Flecken  zählt der Nager zu den buntesten Säugetieren Europas. Sie sind Verwandte des wesentlich kleineren Goldhamsters, dessen Vorfahren aus Syrien stammen.

Lebensraum
Der Feldhamster bevorzugt struktur- und artenreiche Ackerlandschaften, insbesondere Getreide, mit nicht zu feuchten Löss- und Lehmböden bei einem tiefen Grundwasserspiegel (> 120 cm). Er gilt als Leitart der fruchtbaren offenen Bördelandschaft des Rheinlandes (Kölner Bucht).

Lebensweise
Die überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere leben in selbstgebauten weitverzweigten Bausystemen bis zu zwei Metern unter der Erdoberfläche. Sie können nur in einer Umgebung überleben, die ihnen genügend Deckungsmöglichkeiten bietet. Da ihre Aktionsräume mit maximal 1 bis 2 ha, meist jedoch weniger als 0,5 ha relativ klein ausfallen, gelten Feldhamster als standorttreue Tiere.
Von Oktober bis einschließlich März halten die Individuen Winterschlaf, der nur von kurzen Fressphasen unterbrochen wird. Nachwuchs bekommen sie Ende Mai bis Mitte Juni.

Nahrung
Feldpflanzen aller Art stehen auf dem Speiseplan von Feldhamstern, daneben ernähren sie sich auch von kleinen Tieren wie Insekten und Regenwürmern. Ab Juli legen die Individuen Vorräte für den Winter an. Sie „hamstern“ Getreide, Wildkrautsamen, Hülsenfrüchte sowie Stücke von Rüben und Kartoffeln. Um eine Wintersaison überstehen zu können, benötigt ein Feldhamster einen Vorrat von ein bis zwei Kilogramm.

Gefährdung und Schutz
Der Feldhamster ist in Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der EU als streng zu schützende Tierart von gemeinschaftlichem Interesse aufgeführt. Auch im Anhang II der Berner Konvention wird er gelistet.

Gemäß § 7 Nr. 14 b) Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) zählt der Feldhamster zu den streng geschützten Arten.

Rote Liste BRD (2009): vom Aussterben bedroht
Rote Liste NRW (2011): vom Aussterben bedroht

Bestand in NRW
Seit den 1970er Jahren ist der Feldhamsterbestand kontinuierlich zurückgegangen. Wesentlicher Grund für diesen negativen Trend ist der so genannte Strukturwandel in der Landwirtschaft: Intensive und mechanisierte landwirtschaftliche Bearbeitungsmethoden verhindern, dass vorhandene Feldhamsterpopulationen weiterhin in ihren Vorkommensgebieten bestehen können. Dort wo noch Tiere vorkommen, finden die Individuen immer weniger Nahrung und lebensnotwendige Deckungsmöglichkeiten. Die verbliebenen Hamsterlebensräume werden zudem durch Straßenbau weiter zerschnitten und schrumpfen durch Siedlungs- und Gewerbegebietsentwicklung. Die Restpopulationen sind aufgrund der geringen Größe nicht überlebensfähig. Im Jahr 2017 ist der Feldhamster in NRW ausgestorben. Die letzten Tiere, die in Zülpich (Kreis Euskirchen) nachgewiesen wurden, wurden 2017 der Natur entnommen und einem Zuchtprogramm zugeführt.