Kiebitz- und Feldvogelschutz

Kiebitz. Foto: NABU/Thorsten Krüger

Feldvögel

Die Feldvögel (Acker- und Wiesenvögel) sind die am meisten gefährdete Artengruppe innerhalb der mitteleuropäischen Vogelfauna – sie finden sich überproportional häufig in der Roten Liste wieder. Wie zahlreiche Untersuchungen belegen, ist der Niedergang der Feldvögel der Wiesen- und Ackerlandschaften in unmittelbaren Zusammenhang mit der Intensivierung der Landwirtschaft zu bringen.

Der Verlust von Hecken, Baumgruppen, Brachflächen und Feldrainen, die Zunahme des Energiepflanzenanbaus (Mais- und Rapsanbau) und der weiter zunehmende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln tragen wesentlich dazu bei. Riesige Flächen mit blühendem Raps sind zwar zunächst hübsch anzusehen, stehen Rebhuhn, Feldlerche und den anderen Vögeln der Agrarlandschaft als Brutrevier und zur Nahrungssuche aber nicht zur Verfügung. Die dichte Vegetation und intensiver Pflanzenschutzmitteleinsatz verhindern dies.

Dabei könnte man zumindest die Situation für die Vögel der Ackerlebensräume durch einfache Maßnahmen verbessern – wie die Anlage von Stilllegungsflächen, Hecken, Ackerrandstreifen und Blühflächen. Auch der Verzicht auf den Umbruch der Felder unmittelbar nach der Ernte und die deutliche Reduzierung der Pflanzenschutzmittel, allen voran Roundup (Glyphosat) und eine ausgewogene Fruchtfolge wären wichtige Schritte, um der Artenvielfalt wieder eine Chance zu geben.

Kiebitz (Vanellus vanellus)

Der Kiebitz in Aachen:
Im Jahr 2017 führte der Arbeitskreis Ornithologie des NABU Aachen eine Feldvogelkartierung im Aachener Stadtgebiet durch, wobei unter anderem die Bestände des Kiebitz‘ erfasst wurden. Es konnten zwölf Reviere und zehn Gelege festgestellt werden. Fünf Gelege wurden in Zusammenarbeit mit der NABU-Naturschutzstation Aachen direkt vor der Zerstörung durch landwirtschaftliches Gerät gerettet. Dies geschah durch eine Markierung der Gelege mit langen Holzstäben und in guter Zusammenarbeit mit den hiesigen Landwirten. Ziel der Markierung ist es, dass ein schmaler Streifen mit dem Gelege bei der Bearbeitung ausgespart und somit geschützt wird.

Kennzeichen und Verhalten:
Der Kiebitz ist etwa taubengroß (28 bis 32 cm). Durch den Kontrast zwischen schwarzer Oberseite mit grünlich schimmerndem Metallglanz, weißer Unterseite mit schwarzem Brustband, sowie  der abstehenden Federholle am Hinterkopf ist die Spezies in unserer Agrarlandschaft unverkennbar. Die Kopfseite ist weißlich mit schwarzem Streif unter dem großen dunklen Auge. Nach der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten in die Brutgebiete fallen besonders die auffälligen Balz- und Revierflüge auf. Auch die typischen „Kiewitt“-Rufe, von denen der Kiebitz seinen Namen trägt, sind dann zu hören.

Biotopwahl und Nahrung:
Der Kiebitz bevorzugt offenes, flaches und feuchtes Dauergrünland, Wiesen, Weiden und Überschwemmungsflächen. Sein Lebensraum – das Feuchtgrünland – ist in Deutschland jedoch selten geworden. Wo Grünland umgebrochen wurde, kann man den brutplatztreuen Kiebitz auch auf Äckern antreffen. Meist brütet er dort aber ohne oder nur mit geringerem Erfolg, so dass auch solche Brutplätze nach einigen Jahren verwaisen. Insekten und deren Larven bilden die Hauptnahrung des auffälligen Vogels und spielen eine große Rolle für die Aufzucht der Jungtiere. Regenwürmer, Samen und Früchte von Wiesenpflanzen, sowie Getreidekörner sind weitere Bestandteile in seinem vielseitigen Nahrungsspektrum.

Bestand und Bestandsentwicklung:
Der europäische Brutbestand (ohne Russland) wird auf 1,1 bis 1,7 Millionen Brutpaare geschätzt. In Deutschland brüten gegenwärtig noch 70.000 bis 100.000 Paare. In optimalen Gebieten kommen Kiebitze kolonieartig vor bzw. mit bis zu 5 Paaren pro Quadratkilometer. Meist beträgt die Siedlungsdichte jedoch kaum mehr als ein Paar pro Quadratkilometer.

Gefährdungsursachen:

Kiebitznester auf Äckern sind mitunter schwer zu entdecken.
Foto: NABU/Dr. Manfred Aletsee.


Der Kiebitz wurde in der Vergangenheit aus seinem ursprünglichen Lebensraum vertrieben. Hauptfaktoren hierfür sind Entwässerung, Grundwasserabsenkung, frühe Wiesenmahd, industrieller Torfabbau,

Aufforstung von Mooren und der Wandel in der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen. Zu weiteren Gefährdungsursachen zählen Störungen der Brutgebiete durch intensive Freizeitnutzung, sowie in manchen Ländern auch immer noch die direkte Verfolgung durch Jagd und Eiersammler.

Die intensive Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen ist aus verschiedenen Gründen für den Kiebitz problematisch. Zum einen kollidiert das Brutgeschäft auf den Ackerflächen häufig mit den Bearbeitungsschritten des Ackerbaus. Die ersten Gelege werden häufig schon vor der Bodenvorbereitung bis Mitte/Ende März angelegt. Mitte April sorgt dann die Maissaat für große Gelegeverluste. Zum anderen fehlt durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Kombination mit fehlenden Brachflächen und Saumstrukturen die zur Jungenaufzucht benötigte nährstoffreiche Insektennahrung.

Kiebitz- und Feldvogelschutz