Projekt der NABU-Naturschutzstation Aachen erhält Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Das vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) geförderte Projekt „Biotopverbund im Westen – Der Westwall“ der NABU-Naturschutzstation Aachen und der Naturschutzstation Haus Wildenrath wurde heute als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen. Die Auszeichnung wurde an einem Abschnitt des Biotopverbundes am Westwall von Dr. Margrethe Schmeer, Bürgermeisterin der Stadt Aachen, überreicht. „Ich bin selbst zunehmend sensibilisiert für das wichtige Thema der biologischen Vielfalt“, so Schmeer. „Zudem freut es mich, dass die ehemalige Militärstruktur nun so einem friedlichen Zweck dient“.

Im Vordergrund des dreijährigen Projektes steht die Natur am Westwall. „Die ungenutzten Bauwerke unter anderem die Höckerlinie haben sich im Laufe der Jahrzehnte innerhalb einer immer stärker genutzten Landschaft zu einem wertvollen Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und einer breiten Biotopvielfalt entwickelt“, erläutert Dr. Aletsee, Leiter der NABU-Naturschutzstation. „Bei dem Projekt haben wir uns zunächst einmal einen genauen Überblick über die Strukturen und die vorkommende Tier- und Pflanzenwelt gemacht und konnten z.B. feststellen, dass auf einem nur 1000 Meter langen Abschnitt 48 Brutvogelpaare 18 verschiedener Arten vertreten sind“. Darauf aufbauend werden Maßnahmen entwickelt, die die vorhandenen Lebensräume stärken und ein Biotopnetzwerk schaffen sollen.

Christoph Boddenberg vom LVR lobte in seinem Grußwort das Projekt sei „eine sehr schöne Schnittstelle zwischen dem Interesse der Biologischen Stationen, nämlich dem Naturschutz, und dem Interesse des Landschaftsverbandes Rheinland, nämlich dem Schutz der Kulturlandschaft“. Er gratulierte herzlich zu der Auszeichnung.

v.l.n.r: Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer, Christoph Boddenberg (LVR), Dr. Manfred Aletsee (NABU-Naturschutzstation Aachen und Dr. Brigitta Szyska (Naturschutzstation Haus Wildenrath) an einem Betonhöcker des Westwalls. (Urheberin: Naturschutzstation / C. Zacharias)

Ziel des Projekts ist es, das vorhandene Biotopnetzwerk für die heimische Flora und Fauna zu erhalten und aufzuwerten. Die Juroren und Jurorinnen des UN-Dekade-Wettbewerbs befanden, dass damit ein besonderes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt in Deutschland gesetzt wird. Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhalten die NABU-Naturschutzstation Aachen und der Projektpartner Naturschutzstation Haus Wildenrath einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die bunte Vielfalt und einzigartige Schönheit der Natur steht, zu deren Erhaltung das Westwall-Projekt einen wertvollen Beitrag leistet.

Mit der Auszeichnung wird das Projekt „Biotopverbund im Westen – der Westwall“ ab sofort auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter www.undekade-biologischevielfalt.de vorgestellt. Der fortlaufende Wettbewerb wird im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerichtet. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist. Möglichst viele Menschen sollen sich von diesen vorbildlichen Aktivitäten begeistern lassen und die ausgezeichneten Projekte als Beispiel zu nehmen, selbst im Naturschutz aktiv zu werden.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung unseres Projektes und unserer damit verbundenen Arbeit“, so Dr. Aletsee. Einen Einblick in einen Teil des Biotopverbunds bietet Frau Dr. Maxam, Mitarbeiterin der NABU-Naturschutzstation Aachen bei einer Wanderung durch die Landschaft bei Orsbach am Samstag, den 15. September 2018 um 10 Uhr. Anmeldungen für die rund 3-stündige Exkursion sind ab sofort möglich unter info@naturschutzstation-aachen.de.

Hintergrundinformationen zum Projekt „Biotopverbund im Westen – der Westwall“

Noch heute sind Reste des Westwalls in Aachen und im Raum Heinsberg vorhanden, eine Anlage, die vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Die heute noch vorhandenen Strukturen haben sich im Laufe der Zeit zu einem störungsarmen Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Ziel des Projektes „Biotopverbund im Westen – der Westwall“ ist es, den Verbund der wertvollen Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu erhalten und zu fördern. Das Projekt wird von der NABU-Naturschutzstation Aachen gemeinsam mit der Naturschutzstation Haus Wildenrath in Aachen und im Raum Heinsberg umgesetzt. Es wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) für zunächst drei Jahre gefördert. Eine Projektbeschreibung finden Sie auch unter:

https://naturschutzstation-aachen.de/biotopverbund-im-westen-der-westwall/

Hintergrundinformationen zum LVR

Die kulturelle Arbeit des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ist wie das Rheinland selbst vielfältig und abwechslungsreich. Als Kommunalverband und Partner der 13 kreisfreien Städte, 12 Kreise und der StädteRegion Aachen hat der LVR das Ziel, diese kulturelle Vielfalt zu erfassen und zu erforschen, zu bewahren und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Über das LVR-Netzwerk „Landschaftliche Kulturpflege“ besteht seit Ende des Jahres 2007 eine Kooperation zwischen dem LVR und den 19 Biologischen Stationen bzw. Naturschutzstationen im Rheinland. Gemeinsam realisieren sie Projekte an der Schnittstelle zwischen Kulturlandschaftspflege und Umweltschutz.

Hintergrundinformationen UN-Dekade Biologische Vielfalt

Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an. Der Begriff „biologische Vielfalt“ bezeichnet das gesamte Spektrum des Lebens auf der Erde. Damit sind die Vielzahl aller Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und Pilze sowie die genetische Vielfalt innerhalb dieser Arten gemeint. Aber auch ihre verschiedenen Lebensräume und die komplexen ökologischen Wechselwirkungen sind Teil der biologischen Vielfalt. Seit Jahrzehnten ist ein Rückgang dieser Vielfalt zu beobachten. Damit schwindet auch für uns Menschen die wertvolle Lebensgrundlage. Das Anliegen der UN-Dekade Biologische Vielfalt ist es daher, mehr Menschen für die Natur zu begeistern und für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu motivieren. Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen und die Menschen zum Mitmachen bewegen.

Mehr Informationen finden Sie unter www.undekade-biologischevielfalt.de.